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Wie misst man die Wahrnehmung einer politischen Figur? Wie eine Führungsfigur von der Gesellschaft gesehen wird

Wie misst man die Wahrnehmung einer politischen Figur? Wie eine Führungsfigur von der Gesellschaft gesehen wird

Dass über eine politische Figur viel gesprochen wird, zeigt nicht, dass sie eine starke Wahrnehmung besitzt.

Hohe Sichtbarkeit muss keine Zustimmung bedeuten. Und eine Fülle positiver Äußerungen erklärt für sich genommen nicht, warum Menschen diese Person unterstützen.

Denn politische Wahrnehmung ist nicht nur positiv, negativ oder neutral.

Menschen können eine politische Figur zugleich als stark, aber distanziert, als erfolgreich, aber nicht vertrauenswürdig, als aufrichtig, aber unzureichend, als entschlossen, aber kompromisslos beurteilen.

Die eigentliche Frage der Analyse einer politischen Figur ist deshalb nicht diese:

Mögen die Menschen diese Person?

Sie sollte diese sein:

Was für eine Person ist sie in den Köpfen der Menschen?

Wahrnehmung ist mehr als Stimmung

Stimmungsanalyse ist ein wichtiger Ausgangspunkt.

Doch zu wissen, dass über eine Person positiv gesprochen wird, erklärt nicht, auf welchen Eigenschaften diese positive Wahrnehmung beruht.

Eine politische Figur kann als vertrauenswürdig, stark, aufrichtig, entschlossen, erfolgreich, volksnah, innovativ, erfahren oder nahbar gesehen werden.

Ebenso kann sich eine negative Wahrnehmung um andere Charaktereigenschaften bilden.

Wichtig ist hier nicht nur, welche Eigenschaften hervortreten, sondern wie sich diese Eigenschaften über die Zeit verändern.

Ist die Person, die Menschen sehen, dieselbe, die sie sehen wollen?

Eine der wichtigsten Dimensionen politischer Wahrnehmung ist die Erwartung.

Die Gesellschaft kann von einer Führungsfigur stärkere Führung, mehr Empathie, eine wirtschaftliche Lösung, Vertrauen, Wandel oder Stabilität erwarten.

Erfüllt die bestehende Wahrnehmung diese Erwartungen jedoch nicht, entsteht eine Wahrnehmungs-Erwartungs-Lücke.

Eine Figur kann beispielsweise mit starker Führung verbunden werden, während sich die zentrale Erwartung der Gesellschaft in dieser Phase hin zu „einer Führung, die zuhört und versteht“ verschoben hat.

In diesem Fall reicht eine starke Wahrnehmung für sich allein womöglich nicht.

Denn in der Politik zählt nicht nur, wie man gesehen wird, sondern auch, was Menschen von einem sehen wollen.

Unterstützer, Gegner und Unentschlossene sehen dieselbe Person verschieden

Eine politische Figur hat nicht eine einzige Wahrnehmung.

Unterstützer können sie als entschlossen beurteilen, während Gegner genau dasselbe Verhalten als autoritär lesen.

Unentschlossene wiederum können sich auf eine völlig andere Eigenschaft konzentrieren.

Allgemeine Durchschnitte können deshalb wichtige Spaltungen verbergen.

Die eigentliche Frage lautet:

Wer deutet welche Eigenschaft, und wie?

Ist diese Unterscheidung sichtbar, lässt sich nicht nur das allgemeine Bild der Figur verstehen, sondern auch die Wahrnehmungskarte, die in verschiedenen Gruppen entsteht.

Kann ein Ereignis die Wahrnehmung einer Führungsfigur verändern?

Ja.

Eine Rede, der Umgang mit einer Krise, eine wirtschaftliche Entwicklung, eine Debatte, eine politische Entscheidung oder ein gesellschaftliches Ereignis können die Eigenschaften verändern, die Menschen mit einer politischen Figur verbinden.

Hier genügt es nicht, nur zu sehen, dass die Veränderung stattgefunden hat.

  • Wann hat sie begonnen?
  • Mit welchem Ereignis hat sie sich verändert?
  • Welche Eigenschaft war betroffen?
  • In welchen Gruppen war sie stärker?
  • Ist die Veränderung vorübergehend oder dauerhaft?

So lässt sich politische Wahrnehmung als eine sich über die Zeit bewegende Struktur behandeln statt als starres Foto.

Ist das, was die Medien sehen, dasselbe wie das, was Bürger sehen?

Nicht immer.

Eine politische Figur kann in den Medien mit bestimmten Eigenschaften gerahmt werden, während in den Gesprächen der Bürgerinnen und Bürger völlig andere Eigenschaften hervortreten.

Die Beobachtungen der Organisation vor Ort können ein drittes Bild ergeben.

Diese Abweichung ist besonders wichtig.

Denn der Abstand zwischen Medienwahrnehmung, Bürgerwahrnehmung und Wahrnehmung der Organisation hilft zu erkennen, ob das im eigenen Umfeld gesehene Bild dem tatsächlichen Rückhalt in der Gesellschaft entspricht.

Im Vergleich mit Konkurrenten verändert sich die Wahrnehmung

Politische Wahrnehmung wird nicht an einer einzigen Person gemessen.

Eine Figur kann bei „Wirtschaft“ als stark wahrgenommen werden, während eine andere bei „Vertrauen“ hervorsticht.

Die eine findet bei jungen Wählern stärkere Resonanz, die andere verschafft sich in einer anderen gesellschaftlichen Gruppe einen Vorteil.

Deshalb sollte die Analyse einer politischen Figur die zweite Frage ebenso stellen wie die erste:

Wie wird diese Person wahrgenommen?

Bei welchen Eigenschaften unterscheidet sie sich von den anderen?

Denn in der Politik ist Wahrnehmung zugleich eine vergleichende Position.

Der Unterschied zwischen Sichtbarkeit und Ansehen

Eine politische Figur kann im Zentrum der Agenda stehen und dennoch bei den zentralen Charakterwahrnehmungen schwächer werden.

Auch das Gegenteil ist möglich.

Eine weniger sichtbare Figur kann bei bestimmten Eigenschaften eine immer stärkere Position aufbauen.

Aus Erwähnungen, Reichweite oder Medienpräsenz allein auf politische Macht zu schließen, kann deshalb in die Irre führen.

Sichtbarkeit zeigt Ihnen, über wen gesprochen wird.

Wahrnehmungsanalyse versucht zu verstehen, was sich über diese Person bildet.

Die eigentliche Frage politischer Wahrnehmung

Die Analyse einer politischen Figur sollte auf mehr zielen als am Ende einen einzigen Wert zu liefern.

Entscheiderinnen und Entscheider sollten sehen können:

  • Wie beschreiben mich die Menschen?
  • Was erwarten sie von mir?
  • Welche meiner Eigenschaften werden stärker oder schwächer?
  • Warum unterstützen mich meine Unterstützer?
  • Warum kritisieren mich meine Gegner?
  • Was bestimmt die Wahrnehmung der Unentschlossenen?
  • Bei welchen Eigenschaften unterscheiden sich Konkurrenten von mir?
  • Und wie verändert sich dieses Bild über die Zeit?

Denn einer der größten Trugschlüsse politischer Kommunikation ist die Annahme, wie man sich selbst darstellt und wie Menschen einen sehen, sei dasselbe.

Das politische Bild ist nicht die Person, die Sie darstellen wollen. Es ist die Person, die in den Köpfen der Menschen entsteht.